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9. September: Bad Mergentheim
Von Melanie und Beat
Heute Morgen hat Jonas ein Freudentänzchen gemacht. Grund: Heute ist der 9.9.09 WOW! Darauf hat er das ganze Jahr gewartet. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, weil wir zu sechst in einem Minizimmer untergebracht waren und ich mir ein Schnarchkonzert in verschiedenen Stimmlagen geben musste. Da es in der Heilbronner Jugenherberge nur bis 8.30 Frühstück gibt, sind wir relativ früh aufgebrochen Richtung Bad Mergentheim. Dort haben wir das Riesen-Gerechtigkeitsmemory ausprobiert. Aber die eher etwas ältere Bevölkerung der Kleinstadt ließ sich dadurch nicht sonderlich in ihrem Alltagsgeschehen stören. Nach ernüchternden 5 Stunden sind wir in unsere Bleibe in Bad Mergentheim gefahren, um vor Ort festzustellen, dass wir erst um 17 Uhr einchecken können. Es ist 15 Uhr-massig Zeit. Um 18 Uhr sollte es nämlich ein Essen mit Fritz Kuhn höchstpersönlich geben, mit anschließendem Vortrag für alle Interessenten. Drei von uns sind ins örtliche Schwimmbad gefahren, Jonas, Domi und ich sind ein Dorf weiter, hoch auf die Weinberge gereist. Jonas hat dort ein paar gute Aufnahmen für ein Hochtourenfilmchen machen können.
Das Essen war OK der Vortrag auch. Ein alter Mann hat sich sehr aggressiv über unsere Claudia Roth ausgelassen. Sie sei ein Biest und bräuchte mal einen Mann der ihr die Weichen stellt. Dafür kassierte der Gute massig Buh-Rufe und auch Fritz hat ihm schnell den Saft abgedreht.
Ich bin trotz dieser Aufregung zwischenzeitlich kurz eingenickt, da ich ja wie bereits geschildert, aufgrund des Lärmpegels in meinem Zimmer, letzte Nacht nur 2 Stunden geschlafen habe.
Endlich sind wir in unseren Zimmern angekommen, aber das Internet will nicht so wie wir wollen und deswegen wechseln sich Jonas und ich in regelmäßigen Abständen mit aufregen ab. Christian schnarcht schon. Beat und Kati hört man im Nebenzimmer noch eifrig über alternative Pädagogik quatschen. So, wir gehen jetzt schlafen. Morgen auf nach Wertheim.
7. September: Stuttgart
Von Melanie
Nach einer langen, lustigen Fahrt von Berlin nach Stuttgart, sind wir endlich auf dem Schlossplatz angekommen. Dort wurden wir freudig von Sophie und Dennis begrüßt und auch gleich zum Stand geschickt. Beat, Kati und ich haben die Anti-Atom Aktion gemacht, bei der Beat in einem echten ABC-Anzug und Gasmaske durch die Innenstadt gelaufen ist. Bei der Frage ob jemand ein bisschen Plutonium bei sich lagern möchten, griffen erstaunlich viele zu den gelben Dosen. Leider mussten wir feststellen, dass es tatsächlich Menschen gibt die NICHT wissen was Atomkraft ist ( „Atomkraft???? Kann man das kaufen???“).

Wir sind aber auch auf „Experten“ gestoßen die, die großen Energiekonzerne längst durchschaut haben, dass deren Ökostrom gar nicht sooo öko ist. Toll! Wenn man dann etwa eine halbe Stunde erzählt bekommt, dass man eh schon alles weiß, ist dies natürlich blöd. Ein junger Herr war ganz optimistisch und meinte, dass in einer Million Jahre, die Erde eh nicht mehr exsistiert und außerdem steht ein AKW 5km neben ihm und das ist voll ok. Denn wenn es explodiert kriegt er von den Folgen eh nichts mehr mit. Wir konnten viele zum Nachdenken anregen aber leider ist die Bildung über Atomkraft bei vielen als mangelhaft einzustufen. Zurück am Stand mussten andere GJ-lerInnen viel über sich ergehen lassen. Es war alles dabei : Rassisten. Marxisten, Pro-Atomler, Nix-Checker. Aber leider keine CDU oder FDPlerInnen, auf die wir uns doch so gefreut haben. Gegen 18 Uhr lagen die Nerven blank, da der Schlafmangel sich langsam aber sicher bemerkbar machte. Trotzdem mussten wir aber noch mit neuen Wahlkampfutensilien und neuen Leuten die Reise nach Tauberbischofsheim antreten. Nach Navi-Irrführungen sind wir um 21 Uhr dann doch endlich mal eingetrudelt. Buchladenhändler und Alt-Grüner Johannes Benz nahm uns in Empfang. Herr Benz bzw Johannes sieht wirklich aus wie ein Buchladenverkäufer
Er freut sich junge Leute in seinem Dörfle zu haben. Wir mussten uns leider von Emanuel und Kai verabschieden, aber dafür sind jetzt Dominik, Christian und Beat am Start. Morgen auf ein Neues und
ALLE FÜR ALLOIS!!!
5. September: Berlin
Von Melanie
Sind gerade in Werftpfuhl angekommen. Jonas,Kati,Emmanuel und ich teilen uns ein nettes Zimmer mit Blick auf –ööhm ja eine Hauswand. Die Anti-Atom Demo in Berlin war ein voller Erfolg, über 55.000 Demonstranten und 350 „bunt“ geschmückte Trekker und Parolen wie „Merkel-Atomkuh!“ oder „Nur nukleare Ferkel wählen Merkel“ zierten die Parade. Der Marsch vom Hauptbahnhof bis zum Brandenburger Tor war eher ruhig, manchmal zu ruhig. Nur wenn man bei Trommlern stand war ein bisschen Stimmung. Die Redner waren Bauern die schon in der 3. Generation gegen Atomkraft kämpfen und an sich bewegende Storys hatten, aber leider nicht über die rhetorischen Mittel verfügten um die dösende Menge in eine tosende, jubelnde Masse zu verwandeln. Die Ohrbooten war das I-Tüpfelchen aber leider musste ich mich bald auf den Weg zur BGS machen um Richtung Werftpfuhl zu fahren, wo wir nun auch sitzen und etliche Vorträge über uns ergehen lassen mussten. Nachdem wir über Strafzettel und Schrammen im Auto aufgeklärt wurden, durften wir in die „Disco“. Die Disco hat den Namen nicht einmal annähernd verdient. Kurze Beschreibung: Kleiner schwarzer Raum. Ein Popel-Leuchtschlauch. Schlechte Musik. Nach kurzem Erkundungsgang und Flucht vor der „Disco“ geht es jetzt ins Bett. Emanuel ist noch am dancen- so wie immer eben. Noch mit Jonas den Spiegel durchblättern und dann Gute Nacht. Denn es gibt nur bis 9.15 Uhr Frühstück und die sind da knallhart, was die Speisezeiten angehen.
